Beitragsfoto: Alea Babeck
Kritik der Planwirtschaft
Fachkonferenz am 11. und 12. Dezember 2025, Walter Eucken Institut Freiburg
Am 11. und 12. Dezember 2025 fand in den Räumlichkeiten des Walter Eucken Instituts (WEI) in Freiburg eine Fachtagung im Rahmen des Editionsprojekts „Vordenker der liberalen Moderne“, an dem das WEI als einer der Verbundpartner beteiligt ist, statt. Anlass der Tagung war der sich noch in Vorbereitung befindliche Band Kritik der Planwirtschaft, der ausgewählte Texte des österreichischen Ökonomen Ludwig von Mises versammelt und dessen wirtschaftstheoretische Kritik am planwirtschaftlichen Denken dokumentiert.
Zentraler Bezugspunkt der meisten Vorträge des ersten Tages waren das von Ludwig von Mises formulierte Problem der Wirtschaftsrechnung im Sozialismus sowie die daran anschließende historische Debatte. Mises’ theoretische Kritik besagt, dass in einer sozialistischen Wirtschaft ohne Privateigentum keine Preise für Güter entstehen können, die deren relative Knappheit oder Begehrtheit widerspiegeln würden.
Nach einer Begrüßung durch die Herausgeber des Bandes, den Institutsdirektor Lars Feld und den Leiter der Forschungsgruppe Ideengeschichte, Daniel Nientiedt, befasste sich der erste Vortrag von Alexander Linsbichler (Universität Linz) unter dem Titel „Who Was Mises Arguing Against?“ mit den Anfängen der Planwirtschaftsdebatte. Im Mittelpunkt stand Mises’ Auseinandersetzung mit dem Wiener Ökonomen Otto Neurath über die Frage, ob in einer sozialistischen Wirtschaft eine rationale Planung möglich ist.
Anschließend sprach Rosolino Candela (George Mason University) über „The Socialist Calculation Debate: Theory and History“. Er erläuterte die zentrale Funktion des Preissystems in der Marktwirtschaft, die in einer Planwirtschaft nicht reproduzierbar sei: Preise transportieren Informationen, die aus den Entscheidungen der Wirtschaftssubjekte hervorgehen, welche die Konsequenzen ihres Handelns unmittelbar in Form von Gewinn und Verlust zu spüren bekommen.
Der dritte Vortrag von Eduard Braun (TU Clausthal), „Austrian Capital Theory: Implications for Central Economic Planning“, schloss den Vormittag ab. Braun stellte die österreichische Kapitaltheorie vor und arbeitete Mises’ Beitrag heraus, dass Kapital nicht als Produktionsfaktor, sondern als der Geldwert eines Unternehmensvermögens zu verstehen sei, welcher die Kalkulation über Gewinne und Verluste ermöglicht. Im Sozialismus fehlt eben jene Form der Kapitalrechnung.
Am Nachmittag erläuterte Giandomenica Becchio (Università di Torino) in ihrem Vortrag „From Mises to Hayek: Planning and the Knowledge Problem“ Friedrich von Hayeks Beitrag zur Debatte über die Wirtschaftsrechnung im Sozialismus. Hayek ergänzte Mises’ Argument um die Einsicht, dass für ökonomische Entscheidungen relevantes Wissen größtenteils dezentral vorhanden ist und daher von zentralen Planungsinstanzen nicht erfasst werden kann.
Den letzten Vortrag des Tages, „Competition, Competition Policy and the Pretence of Knowledge“, hielt Hansjörg Klausinger (WU Wien). Hierin verglich er die Positionen von Mises, Hayek und Eucken zur Wettbewerbspolitik. Mises kritisierte die ordoliberale Idee eines staatlich regulierten Wettbewerbs als interventionistisch. Der Kern des Liberalismus liegt für ihn nicht im Wettbewerb als solchem, sondern in Privateigentum und Vertragsfreiheit.
Den zweiten Tag eröffnete Günther Chaloupek (ehem. Kammer für Arbeiter und Angestellte, Wien) mit seinem Vortrag „Interventionism as a Path to Socialism“. Chaloupek rekonstruierte Mises’ und Hayeks Kritik an „Dritten Wegen“ zwischen Kapitalismus und Sozialismus, speziell an Interventionismus und Sozialpolitik. Obwohl sich ihre These von der Unmöglichkeit der Planwirtschaft als zutreffend erwiesen habe, sei die Behauptung, es gebe keinen mittleren Pfad zwischen Kapitalismus und Sozialismus, durch das Bestehen heutiger gemischter Ökonomien widerlegt worden.
Danach analysierte Max Molden (Universität Hamburg) in seinem Vortrag „Roads to Serfdom: Mises and Hayek on the Relationship between the Economic System and the Political System“ mithilfe der Handlungstheorie (action theory) Mises’ und Hayeks These, dass zentrale Wirtschaftsplanung und politische Freiheit unvereinbar sind.
Die Tagung beendete Stefan Kooths (Kiel Institut für Weltwirtschaft) mit seinem Vortrag „Economic Calculation in the 21st Century: Industrial Policy, Technosocialism and the New Interest in Planning“, der einen Ausblick auf aktuelle Entwicklungen bot. Kooths beschrieb für die Europäische Union eine starke Tendenz hin zu weitreichenden Strategie- und Planungszielen und warnte vor einer schleichenden Erosion marktwirtschaftlicher Koordinationsmechanismen.
Insgesamt profitierte die Fachkonferenz von der Anwesenheit deutscher, amerikanischer und italienischer Forschender sowie von der Vielfalt methodischer und disziplinärer Ansätze (historisch, philosophisch, wirtschaftstheoretisch), was zu sehr lebhaften und produktiven Diskussionen führte.
